Interview
Vom Spielplatz zum Begegnungsort: Wie der Violino-Park Generationen verbindet
Isabelle Merz, Institutionsleiterin des Alters- und Pflegeheims Violino in Zell, berichtet über ihre Erfahrungen mit dem 2024 entstandenen Violino-Park, der im November desselben Jahres mit dem zweiten Platz des Awards «Gesundes Luzern» in der Kategorie «Bewegungsfreundliches Umfeld» ausgezeichnet wurde.
Résumé en français ci-dessous
Der Park bringt Bewohner:innen des Violino, Kinder und Menschen aus dem Dorf zusammen. Entstanden ist er in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hopp-la, den beteiligten Gartenbaubetrieben und der Kita Froschkönig.
Wie wurde der Violino-Park von Anfang an als Ort für mehrere Generationen gedacht?
Von Anfang an war uns wichtig, dass der Park ein Ort für verschiedene Generationen wird. Deshalb wollten wir beispielsweise einen grossen Tisch, an dem man auch picknicken kann und an dem sich die Spielgruppe oder Kita mit ihren Gruppen aufhalten kann. Wir haben zudem Bäume gepflanzt, damit genügend Schatten vorhanden ist. So ist der Park nicht nur ein Spielplatz, sondern ein Ort, an dem man sich aufhalten, verweilen und begegnen kann.

Welche Bedeutung hat Bewegung im Violino über den Park hinaus?
Der Violino-Park steht dabei nicht für sich allein. Bewegung und Begegnung sind Teil einer übergeordneten Haltung im Haus. Rund ein Jahr nach der Eröffnung des Parks wurde im Juli 2025 zusätzlich eine Fitnessarena eingerichtet und eine Bewegungstherapeutin angestellt, die regelmässig mit den Bewohner:innen arbeitet. Die Fitnessarena bietet individuell angepasste Möglichkeiten für Kraft, Gleichgewicht, Ausdauer und Koordination. Dabei geht es nicht nur um körperliche Fitness. Die gemeinsame Bewegung schafft Begegnungen, motiviert und bringt Abwechslung in den Alltag. Wie viel Bewegung bewirken kann, zeigt sich immer wieder an konkreten Fortschritten. So trainiert beispielsweise ein Bewohner mit Parkinson täglich in der Fitnessarena. Seine Stabilität habe sich dadurch deutlich verbessert. Seine Frau habe erzählt, dass er früher nicht einmal ins Auto einsteigen konnte – heute sei dies wieder möglich. Solche Entwicklungen zeigen, dass Bewegung auch im hohen Alter viel bewirken kann.
«Es geht nicht unbedingt um Sport, sondern um Wohlbefinden in der Bewegung und Begegnung.»

Welche Bedürfnisse haben Sie bei den Bewohner:innen wahrgenommen?
Zum einen natürlich das Bedürfnis nach Bewegung. Ich bin selbst eher ein Bewegungsmensch und merke, dass die Menschen hier im Haus teilweise zu viel sitzen. Ich glaube daran, dass man gesünder älter wird, wenn man sich bewegt. Gleichzeitig geht es um Begegnungen. Viele der Spiel- und Bewegungselemente kann man zu zweit nutzen, man macht also vieles gemeinsam. Wir holen Menschen aus dem ganzen Dorf auf unser Gelände. Dadurch entstehen soziale Kontakte und Austausch und daraus entstehen sehr schöne Begegnungen. Manchmal sitzen unsere Bewohner:innen auch einfach dort und schauen den Kindern zu. Schon das ist wertvoll. Oft kommen sie dann mit den Müttern ins Gespräch oder mit Grosseltern, die mit ihren Kindern da sind. Auch am Wochenende wird der Platz sehr viel genutzt.

Welche Begegnung zwischen Kindern und älteren Menschen ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Wir haben hinten im Park eine kleine Boccia-Bahn. Ganz am Anfang stand dort eine Mutter mit ihren kleinen Kindern. Unsere Aktivierung begann mit den Bewohner:innen Boccia zu spielen und die Kinder wollten plötzlich mitmachen. Also haben wir gesagt: «Kommt, macht mit.» Dieses Automatische, das dann entsteht, finde ich immer besonders schön. Es ist nicht gezielt oder gesteuert, sondern passiert einfach. Solche unverhofften Begegnungen finde ich sehr berührend. Die Kinder und die älteren Menschen kommen ganz selbstverständlich miteinander in Kontakt. Genau diese Situationen sind für mich das Schöne an einem solchen Park.

Wie kann die Gestaltung des Parks Bewegung im Alltag der Bewohner:innen fördern?
Wir haben zum Beispiel einen Weg mit Geländer gestaltet, auf dem es einen kleinen Wall und zwei bis drei Treppenstufen gibt. Die Idee war, kleine Bewegungsanforderungen in den Alltag einzubauen. Einige Bewohner:innen gehen heute bewusst dort durch, um diese Herausforderung zu bewältigen. Wir haben auch jemanden im Rollstuhl, für den es eine tägliche Herausforderung ist, dort mit dem Rollstuhl über die Treppen zu fahren. Das ist ebenfalls wichtig: Wenn der Weg zu weit ist oder unterwegs keine Sitzgelegenheit vorhanden ist, geht man vielleicht gar nicht erst los. Auch die Aktivierung nutzt den Park regelmässig mit den Bewohner:innen. Dadurch ist er zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Angehörige gehen ebenfalls gerne dorthin, beispielsweise wenn sie kleine Kinder dabei haben. So können sie Zeit mit den Bewohner:innen verbringen, während die Kinder etwas zu tun haben.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit ein solcher Park langfristig Teil des Alltags wird?
Es ist wichtig, dass ein solcher Park in ein übergeordnetes Konzept eingebettet ist. Von Anfang an muss klar sein, dass der Park auch genutzt werden soll. Vor allem die Mitarbeitenden müssen dahinterstehen. Ich brauche Motivatoren. Ich sage immer: «Ich brauche Komplizen.» Wenn die Mitarbeitenden nicht überzeugt sind und den Park nicht in ihre Arbeit integrieren, funktioniert es nicht. Man muss ihn in bestehende Abläufe einbetten können. Auch die Haltung im Haus muss stimmen. Wenn das von oben nicht gelebt und gefördert wird, funktioniert es nicht.


Wenn Sie auf die Entwicklung des Violino-Parks zurückblicken: Was war für Sie persönlich besonders prägend?
Natürlich war der Award, den wir bekommen haben, ein besonderer Moment. Wir haben den zweiten Platz gemacht und es war eine grosse Wertschätzung, dass unser Projekt vom Kanton Luzern wahrgenommen wurde. Aber am wichtigsten ist für mich, dass die Menschen Freude daran haben. Wenn die Geräte kaputtgehen würden, ohne dass sie jemand nutzt, wäre das natürlich traurig. Aber das ist nicht so. Das, was ich mir vorgestellt habe, ist eigentlich eingetroffen und das freut mich unglaublich. Bei jedem Menschen, der dort hingeht und sich danach besser fühlt, sehe ich einen Erfolg. Auch wenn es nur etwas Kleines ist: Jeder Nachmittag, an dem jemand dort Zeit verbringt, eine Begegnung hat oder sich bewegt, ist für mich ein Erfolgserlebnis.
Weiterführende Informationen:
Video zum Award «Gesundes Luzern» – Generationenpark Violino Zell
Violino-Park, canton de Lucerne : un espace intergénérationnel
Le Violino-Park offre un cadre pour bouger et se rencontrer aux résident.es de l’EMS, aux enfants de la crèche et à la population du village. Second prix du canton de Lucerne pour son cadre propice au mouvement, il intègre des jeux uniques, un espace de pique-nique, des arbres et un parcours pour renforcer la mobilité et l’équilibre. Une salle de fitness ajoutée en juillet 2025 a permis des progrès surprenants : un résident parkinsonien, incapable d'entrer dans sa voiture, y parvient désormais grâce à un entraînement quotidien. Les rencontres spontanées entre enfants et seniors enrichissent le quotidien. Le succès selon la directrice : le personnel s’est approprié l’espace extérieur et met tout en œuvre pour que les seniors y passent du temps.